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20.07.2017
Was bedeutet es, auf der Flucht zu sein?
Live-Action-Rollenspiel „Youth on the Run“ am Wochenende in Nottuln. „Was du hörst, wirst du vergessen. Was du siehst, daran wirst du dich erinnern. Was du selbst erlebst, wirst du verstehen.“ Diesem Leitgedanken werden 30 junge Menschen am kommenden Wochenende (vom 22. auf den 23.07.2017) in Nottuln folgen:
In dem vom Jugendrotkreuz (JRK) Westfalen-Lippe veranstalteten Live-Action-Rollenspiel „Youth on the Run“ werden sie unmittelbar erleben, was es bedeuten kann, auf der Flucht zu sein. Dafür nehmen sie für 24 Stunden die Rolle von Flüchtenden ein. Im Spiel wird ein vereinfachtes, aber realistisches Bild einer Flucht gezeichnet. So müssen sich die Teilnehmenden vielen physischen und psychischen Herausforderungen stellen, die realen Fluchterlebnissen nachempfunden sind. Als Flüchtende verlassen sie ihr Heimatland (im Spiel Somalia), um über verschiedene Ländergrenzen hinweg nach Deutschland zu gelangen, wo sie um Asyl bitten wollen.
Ehrenamtliche des Roten Kreuzes aus Deutschland und Dänemark werden im Spiel Verwaltungsangestellte, Grenzsoldaten und -soldatinnen sowie Fluchthelfer und -helferinnen mimen. Die dadurch bewusst ausgelösten emotionalen Reaktionen sollen für ein besseres Verständnis für die oft traumatischen Erfah-rungen Geflüchteter sorgen. Ziel ist es, durch gezielte Information, Selbsterfahrung und Selbstreflexion die Empathie und das Verständnis der Jugendlichen für die Situation Geflüchteter zu fördern und somit Rassismus und Vorurteilen entgegenzuwirken.





„Youth on the Run“ wurde in Deutschland bis vor nicht allzu langer Zeit ausschließlich vom Roten Kreuz in Sachsen-Anhalt praktiziert. Seit letztem Jahr wird es als gemeinschaftsübergreifendes Projekt von JRK und DRK auch in NRW durchgeführt. Die Teilnehmenden werden zwischen 13 Uhr am Samstag, 22.07. und 14 Uhr am Sonntag, 23.07. in Kleingruppen unterwegs sein.

Hintergrundinfo:

Herkunft und Entstehung

Das Konzept zu Youth on the Run (YotR) wurde in den 1990er Jahren von dem dänischen Pädagogen Steen Cnops Rasmussen entwickelt. Rasmussen stellte fest, dass sich die Jugendlichen in seinem Umfeld zunehmend intolerant gegenüber Menschen nicht-dänischer Herkunft, insbesondere gegenüber Geflüchteten, zeigten. Rasmussen sah besonders im unzureichenden Wissen der jungen Menschen und dem damit einhergehenden mangelnden Verständnis für Gründe, Umstände und Gefahren einer Flucht die Ursachen für bestehende Vorurteile. Basierend auf Theorien des erlebnisbegründeten Lernens entwickelte Rasmussen ein Konzept, welches derzeit in sechzehn verschiedenen internationalen Rotkreuzvereinigungen umgesetzt wird.

2007 kürte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz das YotR-Konzept zur besten Jugendaktivität. Besonders lobend hervorgehoben wurden die vorbildliche Umsetzung/Vermittlung der Rotkreuz-Grundsätze und -Ziele und die große pädagogische Wirkung des Konzepts sowie der durch die Rekrutierung von Ehrenamtlichen entstandene erhebliche Zuwachs von DRK-Freiwilligen als auch die gute Dokumentation und Organisation des Projekts.


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